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Weiterhin wird bei der Forschungsentwicklung der letzten
Zeit beanstandet, dass der „Mensch nach Maß“ geschaffen wird.
Das Super-Individuum, das alle normal-gezeugten in den Schatten stellt und
überflüssig macht.
Derselben Meinung ist auch sowohl die katholische als
auch die evangelische Kirche, die eine In-vitro-Fertilisation
grundsätzlich ablehnt, bzw. davon abrät.
Auf der ‚Deutschen Bischofskonferenz und
dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Woche für das Leben
1997’ lautete das Motto:
"Jedes Kind ist liebenswert. Leben annehmen statt
auswählen."
Eines der Argumente gegen die künstliche
Befruchtung war das folgende:
„Die In-vitro-Fertilisation wurde entwickelt, um
kinderlosen Eltern den Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. In Verbindung
mit der Genforschung kann sie nun den Wunsch nach einem bestimmten Kind
erfüllen. Immer neue Diagnosemöglichkeiten wecken schließlich
das Verlangen, sowohl die eigene Gesundheit als auch die der Kinder zu
garantieren. Es ist nicht vorauszusehen, ob künftig bei jeder
In-vitro-Fertilisation eine ganze Palette an Tests durchgeführt wird, wenn
schon der Umweg über das Labor notwendig wird. Es könnte darum gehen,
dass nicht nur schwere genetisch bedingte Erkrankungen, sondern alle
möglichen Abweichungen ausgeschlossen werden. Bahnt sich hier nicht eine
neue Eugenik an, bei der nur noch Menschen nach bestimmten Vorstellungen zur
Welt kommen dürfen?“
Abbrüche waren bisher straffrei, wenn das Kind ohne
Aussicht auf Heilung so schwer geschädigt war, dass von der Frau die
Fortsetzung der Schwangerschaft nicht verlangt werden konnte, berichtete die
Süddeutsche Zeitung 1998.
Die Kritik der Behindertenverbände bezog sich
hierbei vor allem auf die Methode, die Geburt eines gesunden Kindes zu
erzwingen, indem man Schwangerschaften so lange abbricht, bis ein 'nachweislich'
gesundes Kind empfangen wurde. Die Abtreibung sei schon bei kleinen Fehlern wie
einer deformierten Hand oder einer Hasenscharte möglich, wenn sie als
„unzumutbar" empfunden werde – selbst in späten Stadien der
Schwangerschaft, wenn Kinder bereits lebensfähig seien. Die frühere
Grenze, die Abbrüche nur bis zur 22. Woche zuließ, gilt nicht mehr.
159 Abtreibungen sind 1996 nach der 23. Woche
vorgenommen worden. Mehr als sieben Prozent von 607 Föten, die zwischen der
18. und 22. Woche abgetrieben worden waren, zeigten von sich aus Lebenszeichen,
wie eine Studie in den USA ergab. Ab der 20. Woche muss beispielsweise mit
Schnappatmung oder Lauten gerechnet werden. Die bloße Tatsache, dass ein
Kind lebend zur Welt komme, wird plötzlich zur medizinischen
Komplikation.
Ich empfinde diese Vorgehensweise der pränatalen
Selektion als unmenschlich und denke, dass hier längst Grenzen
überschritten wurden.
Es gerät dabei in Vergessenheit, dass der Mensch
immerhin ein Wesen mit ausgeprägtem Sozialverhalten ist, der sich seiner
Umwelt gut genug anpassen kann, dass er in der Lage ist auch schwächere
Artgenossen „mitzuziehen“ und ihnen ein Überleben zu
ermöglichen. Durch den Einsatz der Gentechnik sinkt die Schwelle der
Toleranz gegenüber „zumutbaren“ Behinderungen, was dazu
führen könnte, dass eines Tages „normal“ gezeugte Menschen
zu Menschen zweiter Klasse werden, die mit der im Reagenzglas kreierten Rasse
nicht mehr mithalten kann.
Quellen:
- „Der Spiegel“ 1998
- „Süddeutsche Zeitung“ 1998
- „Evangelische Kirche in Deutschland“ 1997
- „Bild“
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